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Massa Marittima
Der Hektik des Alltags entfliehen und die Vorzüge der Langsamkeit neu entdecken, das kann man in dem kleinen mittelalterlich geprägten Städtchen Massa Marittima in der Provinz Grosseto. Auch wenn der Namenszusatz „Marittima“ üblicherweise eine Lage am Meer bezeichnet, so trifft dies hier nicht zu.
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Die bereits im Mittelalter prosperierende Stadt verdankte ihren damaligen Wohlstand dem Bergbau. Kein Wunder, dass dies in Siena und Florenz Begehrlichkeiten weckte. 1335 war es Siena und 1555 dann Florenz, welche die ehemals autonome Republik Massa eroberten und ihr jeweiliges Territorium damit bereicherten. Es folgte die Einbindung ins Großherzogtum Toskana, das im 18. Jahrhundert an die Habsburger fiel. Noch größeren Schaden als die Eroberungen hatte aber die damals tödlich verlaufende Malaria angerichtet. Die umliegenden Sumpfgebiete waren für die Anopheles-Mücken, welche die Krankheit übertragen, eine ideale Brutstätte. Tausende von Bürgern der Stadt wurden durch die grassierende Seuche dahingerafft, so dass die Bevölkerungszahlen drastisch sanken. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde von den habsburgischen Großherzögen die Entwässerung und Rekultivierung der Sümpfe der Maremma vorangetrieben, womit das Malariaproblem gelöst war und sich die Zahl der Einwohner wieder langsam aber stetig vergrößerte. Wer heute an der Piazza Garibaldi die Erkundung der historischen Altstadt Città Vecchia beginnt, der sieht sich von imposanten Palazzi umgeben, deren Grundsteine teilweise bereits um 1250 gelegt wurden. Obwohl manches in späteren Jahrhunderten auch wieder verändert und ergänzt wurde, begibt man sich als Betrachter doch auf eine Zeitreise, die den bloßen Fakten der Geschichtsbücher Leben einhaucht. Auch in der Città Nuova, der Oberstadt, haben die Eroberer ihre Spuren hinterlassen. Von der Stadtbefestigung, die das vereinnahmende Siena errichtet hatte, sind noch drei Türme erhalten. An die Lebensgrundlage der Stadt, den Bergbau, erinnert das Bergwerksmuseum, das themengerecht in einem 700m langen, aufgelassenen Stollen untergebracht ist und Arbeitsgeräte und eine Mineraliensammlung präsentiert. Auch wenn sich die Stadt Massa Marittima dem Verbund der „Città slow“ angeschlossen hat, der die Entschleunigung zur Steigerung der Lebensqualität anstrebt und die bewusste Langsamkeit und eine nachhaltige Lebensführung hier einen besonderen Stellenwert hat, so heißt das durchaus nicht, dass sich südländisches Temperament überall der Slowbewegung unterordnen muss. Zwei Mal jährlich treten die Einwohner zur eigenen und zur Freude der Touristen zum historischen Armbrustschießen an, dem Balestro del Girifalco. Das Fest wird mit einem Umzug in historischen Gewändern eröffnet und bietet den Armbrustschützen, die jeweils für ihr Stadtviertel antreten, die Herausforderung, gegeneinander im unblutigen Kampfspiel anzutreten. Wie es der italienischen Lebensart entspricht, endet das Spektakel in einem fröhlichen Volksfest mit Wein, Weib und Gesang. (Der Eigentümer des Videos hat mit dem Einstellen auf YouTube einer Einbettung auch auf externen Internetseiten zugestimmt. Wir stehen in keinem Zusammenhang mit dem Hersteller des Materials und distanzieren uns vom Inhalt.)